Ja, ich weiß – es ist ein unangenehmes Thema. Übergewicht bei alten Hunden ist heikel. Schließlich wollen wir nur das Beste für unsere Hunde. Und trotzdem schleichen sich die ersten Pfunde auf ihre Hüften. Vor allem unsere Hundesenioren legen schneller zu als uns lieb ist. Deswegen schauen wir heute etwas tiefer in das Thema.
Es gibt kaum Hunde ohne Übergewicht
Wir sind aus dem Sommerurlaub zurück. Der Alltag kehrt wieder ein und dazu gehört bei uns auch die wöchentliche Gewichtskontrolle von Monty. Die ist zwei Wochen ausgefallen.
Was soll ich sagen? Nicht nur bei uns Menschen hat das gute Essen in Frankreich seine Spuren hinterlassen.
Monty ist ein cleverer Bettler. Er geht einfach mal bei jedem vorbei, stupst mit seiner nassen Nase gegen ein Bein und schaut, ob etwas essbares runterfällt. Und ja, auch im Haushalt einer Hundeernährungsberaterin können nicht alle Familienmitglieder standhaft bleiben.

Ein halbes Kilo mehr hat er sich ergaunert. Das klingt bei eigentlich 13 kg nicht viel. Im Verhältnis zu uns Menschen wäre es aber 2,5 bis 4 kg mehr. Nicht ganz ohne für 12 Tage Urlaub, oder?
Fakt ist: Viele ältere Hunde nehmen mit den Jahren zu. Das passiert schleichend und oft unbemerkt – bis die Rippen plötzlich verschwunden sind. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum alte Hunde schneller zunehmen und was du tun kannst, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen.
Was ist so schlimm am Übergewicht?
Vielleicht hast du dich das auch schon gefragt. Schließlich sind es ja nur ein paar Pfund. Ich habe ja schon anhand von Monty gezeigt, dass schon bei einem 13 kg schweren Hund ein halbes Kilo auf einen Menschen umgerechnet mehrere Kilo wären.
Das Übergewicht bei alten Hunden ist eben kein ästhetisches Problem sondern kann zu Herz- und Gelenkproblemen oder Diabetes führen.
Hunde leiden also genauso unter ihrem Übergewicht wie auch wir Menschen.
Leider ist es aber auch so, dass Übergewicht die Lebenserwartung um bis zu 20% deines Hundes senkt. Das sind bei 10 Jahren Lebenserwartung ganze 2 Jahre weniger. Wir tuen unseren Hunden also keinen Gefallen mit der Extra-Kaustange oder einem „runtergefallenen“ Leckerbissen.
Wie Übergewicht bei alten Hunden entsteht
Wie oft hast du schon geklagt, du seist nicht mehr die Jüngste? Mal schmerzt der Rücken, mal die Knie. Gerade Übergewicht bei alten Hunden entsteht oft schleichend: Schmerzen führen zu weniger Bewegung, der Stoffwechsel verlangsamt sich – und die zusätzlichen Pfunde bleiben haften.
Dazu kommt, dass sie öfter schlafen. Der Schlafbedarf bei älteren Hunden nimmt deutlich zu.
Und natürlich die individuelle Vorliebe des Hundes auf Bewegung. Es gibt diejenigen, die gern laufen. Und es gibt diejenigen, die lieber öfter stehen bleiben und mit der Nase alles erkunden, was nicht schneller ist als sie selbst.
Wir hatten eine Zeitlang immer mal wieder einen Gasthund da. Ein schokobrauner Labrador Retriever. Ein echt lieber Kerl. Kennengelernt habe ich ihn, da war er vier oder fünf Jahre alt. Er war ein Läufer-Hund. Was hat der gezogen an der Leine. Trotz Hundeschule in dem Frauchen mit ihm war. In seinen letzten Jahren hat man ihm dann aber angemerkt, dass er ruhiger wurde. Das ziehen lies nach, das Tempo wurde gemäßigter. Später musste dann ich mein Tempo verlangsamen.
Auch innerhalb der Wohnung blieb er lieber mal liegen als immer sofort aufzuspringen, wenn sich jemand bewegte. Diese ganzen, sich langsam einschleichenden Veränderungen machen sich dann oft im Gewicht bemerkbar. Auch dieser tolle Labbi legte an Gewicht zu und kam in die Ernährungsumstellung.
Warnsignale: So erkennst du Übergewicht früh
Je früher du reagierst, desto leichter ist es, das Gewicht zu halten oder zu reduzieren.
Bei Hunden mit kurzen Fell kannst du es gut erkennen, wenn du von oben draufschaust. Wenn eine Taille erkennbar ist, ist das ein gutes Zeichen. Hunde mit halblangen oder langen Haaren sind da schwieriger zu beurteilen, da der Plüsch mehr anzeigt als tatsächlich vorhanden ist. Zum Glück gibt es weitere Indikatoren.
Als nächstes der Rippentest. Lass deinen Hund stehen und streiche ihm über die Rippen. Kannst du sie gut spüren ohne Druck auszuüben?
Der dritte Anhaltspunkt ist die Bauchlinie. Nach dem letzten Rippenbogen sollte deutlich sichtbar die Bauchlinie nach oben führen. Bei stark übergwichtigen Hunden ist sie fast waagerecht zu den Rippen.
Schau für eine erste Einschätzung gern den Body Condition Score von WSAVA.org an
Achtung: Je nach Rasse sind die genannten Merkmale unterschiedlich stark ausgeprägt. Ein Windhund hat immer eine deutlich höher gezogene Bauchlinie als ein Schäferhund. Und gedrungene Hunde wie Möpse oder Bulldoggen haben auch schlank fast keine Taille. Bei solchen Abweichungen zum normalen Körperbau entweder mit idealgewichtigen Hunden der gleichen Rasse vergleichen oder den Tierarzt oder auch den Hundeernährungsberater dazu fragen.
Wenn du dir, trotz der Inaugenscheinnahme deines Hundes unsicher bist, prüfe das Gewicht. Je nach Größe kann dafür auch ein Gang zum Tierarzt notwendig sein. Viele Tierärzte prüfen das Gewicht kostenlos und vergeben dir schnell und unkompliziert einen Termin dafür. Das ermittelte Gewicht kannst du dann mit dem Durchschnittsgewicht der Rasse vergleichen. Je kleiner der Hund umso näher sollte sich das Gewicht im Normalbereich befinden. 200g bei einem Chihuahua sind gravierender als bei einem Labrador Retriever.
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Was du sofort tun kannst
Um Übergewicht bei alten Hunden zu verhinden oder zu senken ist es wichtig, die Futtermenge anzupassen.
Durch die reduzierte Bewegung und den verlangsamten Stoffwechsel muss auch die Futtermenge reduziert werden. Ein aktiver Hund benötigt mehr Energie als ein ruhiger Hund.
Du kannst mit der Reduzierung um 10% der bisherigen Futtermenge anfangen. Wiege deinen Hund wöchentlich und notiere dir das Gewicht. So kannst du den Gewichtsverlauf kontrollieren und entscheiden, ob die Futtermenge passt oder weiter reduziert werden muss. Es ist durchaus möglich, dass die Futtermenge um bis zu 30% gesenkt werden muss.
Achte bei der Reduzierung unbedingt darauf, dass du nur energie- und fettreduziert fütterst. Dein Hund benötigt trotzdem noch die gleiche Menge an Vitaminen und Mineralstoffen wie bisher. Einfach nur weniger Futter in den Napf funktioniert nicht. Zudem sind dann viele Hunde hungrig und frisst alles, was er findet, nervt dich mit betteln und Unruhe.
Zusätzlich kannst du versuchen, die Bewegung sanft zu steigern. Schau, wie es deinem Hund damit geht. Teile die übliche Stunde Gassi leiber auf 2-4 Runden auf als sie am Stück durchzuziehen.
Kontrolliere deine Leckerligabe. Hast du einen Überblick darüber, wieviel Leckerli dein Hund täglich erhält oder schätzt du es nur pi mal Daumen ab? Und reduzierst du entsprechend die Futtermenge? Was bekommt dein Hund? Könnten es auch kalorienarme Alternativen sein wie Gurke, Karotte, Zucchini?
Fazit
Übergewicht bei alten Hunden beginnt schleichend und ist ein ernsthaftes, gesundheitliches Problem. Du kannst etwas dagegen tun, ohne deinen Hund hungern zu lassen oder mit langen Spaziergängen zu belasten.
Behalte immer das Wohlbefinden deines Hundes im Blick. Versuche, mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, ohne deinen Hund zu überfordern.
Ich weiß, wie schwer es ist, beim eigenen Hund das Gewicht im Blick zu behalten. Genau dafür habe ich den kostenlosen 7 Tage Plan entwickelt. Jeden Tag ein kleiner, machbarer Schritt – damit dein Hund wieder leichter, fitter und zufriedener durchs Leben geht.
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Ich freue mich, dich und deinen Hund dort kennenzulernen.